„Ich mag es nicht, wenn Zeitschriftenredakteure mich bitten, einen Beitrag für sie zu verfassen, und kein Wort über die Bezahlung verlieren (…) Bei Lesungen das Gleiche, Veranstalter, die man eigens dazu auffordern muss, mit dem Honorar rauszurücken, gehören auf eine Schwarze Liste, die unter anständigen Autoren zirkuliert.“ Dieses Zitat von Thomas Glavinic aus seinen „Bamberger Vorlesungen“ können die Brüder Guy und Nico Helminger auch für Luxemburger Verhältnisse sicher ebenso unterschreiben wie zahllose Kollegen. Während Nico Helminger allerdings neben zahlreichen Auslands-Engagements dem Luxemburger Literaturbetrieb eng verbunden und verbandelt geblieben ist, hat sein Bruder Guy das Land bereits 1985 dauerhaft in Richtung Rheinland verlassen, wo er auch heute noch in Köln lebt. Ein paar Fragen an die streitbaren Escher Gebrüder zu Literatur- und Kulturbetrieb dies- und jenseits der Mosel.

 

Inside: Nico Helminger

Dieses Zitat von Thomas Glavinic aus seinen „Bamberger Vorlesungen“ können die Brüder Guy und Nico Helminger auch für Luxemburger Verhältnisse sicher ebenso unterschreiben wie zahllose Kollegen. Während Nico Helminger allerdings neben zahlreichen Auslands-Engagements dem Luxemburger Literaturbetrieb eng verbunden und verbandelt geblieben ist, hat sein Bruder Guy das Land bereits 1985 dauerhaft in Richtung Rheinland verlassen, wo er auch heute noch in Köln lebt. Ein paar Fragen an die streitbaren Escher Gebrüder zu Literatur- und Kulturbetrieb dies- und jenseits der Mosel.

Nico Helminger, geboren 1953 in Differdingen (Luxemburg), studierte Germanistik, Romanistik und Theaterwissenschaft in Luxemburg, Saarbrücken, Wien und Berlin, lebte bis 1999 zunächst als Lehrer, danach als freier Schriftsteller in Paris, seither wieder in Luxemburg. Helminger schreibt auf Luxemburgisch und Deutsch. Zu seinen rezenten Werken zählen: besuch bei den älteren werken des mondes, gedichte, 2008, seven up & some down, theater, 2008, dow jones, theater, 2010, pegel der gerechtigkeit, theater, 2010, pink slip party, theater, 2011, grenzfrequenz-ein flaneursdelikt, theater/hörspiel, 2011, boulevard royal, theater, 2012, zu schwankender zeit an schwankendem ort, theater, 2012, tout le monde t’écoute, libretto, 2012, lëtzebuerger léiwen, roman, 2013, ursprung, lyrik/kunst (zusammen mit bodo korsig), 2013, abrasch, lyrik, 2013 (Servais-Preis 2014).

2008 wurde er mit dem Batty-Weber-Preis für sein Gesamtwerk ausgezeichnet.

 


Nico Helminger, dass die Arbeitssituation für Autoren in Luxemburg sich, gelinde gesagt, aktuell nicht besonders günstig gestaltet, ist – zumindest in Fachkreisen – bekannt. Nun hat es in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten immer wieder und immer neue Kämpfe um und Initiativen für das Luxemburger Buch und seine Schöpfer gegeben. Mit Erfolg oder, um diesen hübschen neuen Trendbegriff zu benutzen: nachhaltig?


Ist « nachhaltig » nicht schon mal zum Unwort des Jahres erklärt worden? Wenn nicht, dann wird es höchste Zeit, dass dies geschieht. Der Begriff entstammt der hohlen Phraseologie politischer Reden, mit der ein Schriftsteller grundsätzlich nichts anfangen kann. Soviel zum « Trendbegriff ». Für eine detaillierte Analyse der Initiativen für das Luxemburger Buch fehlt hier der Platz, für eine Beschreibung der mit diesen Initiativen verbundenen Rückschritte erst recht. Es ist einfach nicht nachzuvollziehen, dass Luxemburg auf den internationalen Buchmessen – nach dem ein oder andern vielversprechenden Ansatz – nun kaum oder gar nicht mehr vertreten ist. Ich weiß, dass es unter den Menschen, die sich hierzulande für das Buch einsetzen, viele Verzweifelte gibt, und einige haben bereits das Handtuch geschmissen. Umso mehr bewundere ich diejenigen, die sich weiterhin unermüdlich um die Literatur bemühen und auch wirkliche Erfolge aufzuweisen haben. Ich habe gelegentlich den Eindruck – um es jetzt einmal knapp und bewusst undifferenziert auszudrücken –, dass Politiker von Literatur keine Ahnung haben. Ich teile hier die Meinung von Joseph Brodsky, der meinte, dass es um das Leben auf der Erde besser bestellt wäre, wenn wir unsere Politiker aufgrund ihrer Lektüre gewählt hätten und nicht aufgrund ihres politischen Programms …


Staatliche Institutionen, die Textsammlungen publizieren, ohne Urheberrechte anzufragen, Lesungen, die mit einer Flasche Wein oder einem Blumenstrauß vergolten werden, wenn man sie nicht direkt abbläst, weil keine Zuhörer kommen. Warum mögen so wenige Luxemburger Luxemburger Bücher? Oder täuscht der Anschein?


Das sind jetzt mehrere Fragen auf einmal, die aber alle ein Grundthema an­schneiden: Die Beziehung unserer Landsleute zum Buch und zur Literatur, die wiederum mit ihrer Beziehung zur eigenen Sprache zu tun hat. Ich kenne kein Volk, das sich derart für seine Sprache schämt wie die Luxemburger. Denn, schämten sie sich nicht, müssten sie doch viel selbstverständlicher damit umgehen, sie lesen und schreiben wie andere auch ihre Sprache lesen und schreiben. Dieses neurotische Verhalten überträgt sich dann wohl auf ihre Einstellung der gesamten Luxemburger Buchproduktion gegenüber. Nur so erklären sich die in Ihrer Frage aufgeworfenen unsäglichen Zustände: Der Autor, der zu einer Lesung antritt, schämt sich erst einmal. Unbewusst, versteht sich, denn dem Anschein nach ist er ja da, um sein Ego zu befriedigen. Dafür braucht er das Geld nicht, der Blumenstrauß genügt. Somit ist es kein Wunder, dass selbst der Schriftstellerverband für eine Lesung von einer Stunde lediglich den lächerlichen Tarif von 125 € vorschlägt.


Unter der vorherigen Regierung wurde im literarischen Bereich offensichtlich vor allem die Lyrik gefördert, unter anderem durch die gezielte Entsendung von Lyrikern ins Ausland, die finanzielle Unterstützung lyrischer Publikationen sowie die Teilnahme an bzw. die Organisation von Veranstaltungen rund um die Lyrik. Nico Helminger, Sie sind selbst auch Lyriker und im Organisationskomitee des Printemps des Poètes aktiv. Haben Sie eine Erklärung, woher diese Affinität des Luxemburger Kulturministeriums zur Poesie rührt – bzw. rührte?


Da müssen Sie schon das Kulturministerium selbst fragen. Als künstlerischer Leiter des Printemps des Poètes darf ich aber sagen, dass wir jahrelang unser Festival ohne staatliche Subventionen organisiert haben, und dass die Unterstützung, die wir jetzt durch das Kulturministerium erhalten, eben auch auf dem vorherigen Erfolg beruht. Die Zuhörer sind da – um noch mal auf die vorige Frage zurückzukommen –, und ich kenne auch andere Lesungen, bei denen viel Publikum anzutreffen ist.


Wir wollen ja nicht in alten Polemiken rühren – aber fürchten Sie, dass sich das jetzt ändert? Zumindest scheint ja die Gefahr zu bestehen, dass sich der Wind aufgrund der kulturellen Vorlieben der neuen Regierung drehen könnte …


Ich denke nicht, dass eine einzige Aussage einer Kulturministerin, so unglücklich, unverständlich und befremdend sie auch sein mag, die gesamte kommende Kulturpolitik bestimmen wird.


Welchen Rat würden Sie der neuen Kulturministerin geben oder was sich von ihr in Sachen Förderung des Kulturguts wünschen?


Sie sollte sich, wie andere Politiker auch, der wirklichen Bedeutung von Kultur bewusst werden. Kultur wird oft – dies habe ich bereits vor Jahren in meiner Dankesrede zum Batty Weber-Preis gesagt – als Freizeithäppchen konsumiert und es wird dabei vergessen, wie umfassend sie ist, nicht Fassade, sondern Fundament. Über das Kulturministerium hinaus sollten die politischen Ver­antwortlichen die notwendigen Zeichen setzen und zeigen, dass Kultur – und damit die dazugehörige Literatur – keine Nebensache ist, sondern die Essenz. Damit steht für mich fest, dass es Bereiche gibt, in denen nicht gespart werden darf. Kulturell ist in Luxemburg in den letzten Jahrzehnten einiges geschehen, es bleibt aber auch immer noch vieles nachzuholen. Es erscheinen in Luxemburg jedes Jahr – neben dem üblichen Schreibmüll – ein paar ausgezeichnete Bücher von hoher literarischer Qualität, die eine Rezeption im Ausland verdienten. Die haben sie aber nicht einmal hier. Und auch das habe ich schon des Öfteren gesagt: Wenn wir selber unsere Literatur nicht ernst nehmen, wieso sollten wir es dann von andern verlangen? Förderung bedeutet nicht ­einfach nur Zuschüsse. Literatur fördert man dadurch, dass man sie in die Schule bringt, in die Öffentlichkeit, dass man, wenn nötig, Übersetzungen ermöglicht. Andere – ebenfalls kleine – Länder haben gezielte Programme, um ihre Literatur im Ausland bekannt zu machen. Hier wissen die meisten nicht einmal, dass sie überhaupt existiert. Vraiment, il y a du pain sur la planche …


Unlängst stand in der Presse zu lesen, dass der erst 2000 gegründete Verlag ultimomondo zum Jahresende seine Aktivitäten einstellt. Auch Sie haben in diesem Haus, das sich durch ein ambitioniertes Verlagsprogramm und ansprechende Buchgestaltung auszeichnete, mehrere Titel publiziert. Ultimomondo hört auf, andere traditionelle Verlagshäuser befinden sich im Umbruch, parallel dazu hat es einige neue Verlagsgründungen gegeben … Wie beurteilen Sie die aktuelle nationale Verlagslandschaft?


Nun ja, einiges scheint im Umbruch … Ich bedauere sehr, dass ultimomondo aufhört, nicht nur, weil ich selbst dort veröffentliche, sondern weil dieser Verlag es tatsächlich fertigbrachte, in kürzester Zeit zu dem hochkarätigen Buchproduzenten zu werden, den Sie beschrieben haben. Wie sie wissen, ist die Geschichte der Literatur und ihrer Autoren, immer auch eine Geschichte der Verlage. Ich hoffe, dass die neuen Häuser mit ihrer Produktion Erfolg haben werden, jedenfalls wünsche ich es ihnen. Was in vielen Verlagen hierzulande fehlt, ist eine wirkliche Betreuung der Autoren; größere Häuser verstehen sich leider oft mehr als Lieferanten von Druckware, denn als wirkliche Herausgeber literarischer Werke.


Sie selbst sind in allen literarischen Gattungen heimisch. In welcher fühlen Sie sich am ehesten „zu Hause“ und in welcher werden Sie als nächstes publizieren?


Ich fühle mich immer „zu Hause” in dem, was ich gerade schreibe. Wenn es an einem Ort Schwierigkeiten gibt, wechsle ich das Haus.

 

Outside: Guy Helminger

Guy Helminger wurde 1963 in Esch/Alzette geboren, studierte Germanistik und Philosophie in Luxemburg, Heidelberg und Köln, wo er seit 1985 als freier Autor lebt.

2002 erhielt er den Förderpreis für Jugend-Theater des Landes Baden-Württemberg, im selben Jahr den Prix Servais für „Rost“. Im Jahre 2004 wurde ihm anlässlich der 28. Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt der 3sat-Preis zugesprochen. Seine Geburtsstadt verlieh ihm 2006 den Prix du mérite culturel de la ville d’Esch.

2012 Poetikdozentur an der Universität Duisburg-Essen.

Letzte Veröffentlichungen: Libellenterz. Gesammelte Gedichte. Editions Phi, Differdange 2010; Neubrasilien. (Roman) Eichborn Verlag, Frankfurt 2010; Das Leben hält bis zuletzt Überraschungen bereit. Uraufführung am Grand Théâtre de Luxembourg 2011.

 


Guy Helminger, Sie treten schon seit Jahren vehement und unverblümt mit klaren Worten für eine bessere Honorierung der Autoren ein – oder für überhaupt eine, gibt es in Luxemburg ja auch Veranstalter, die meinen, dem Autoren einen Gefallen zu tun, wenn sie ihn auftreten lassen, was ein Honorar überflüssig machte. Wie erleben Sie die Situation in Deutschland ?


Mag sein, dass es diese Mentalität auch in Deutschland gibt, oder sagen wir,dieses Nicht-Nachdenken, bevor man fragt, aber ich kann mich nicht daran erinnern, dass mir das in Deutschland bislang passiert wäre. Das mag auch damit zusammen hängen, dass der Beruf des Schriftstellers in Deutschland durchaus anerkannt ist, wohingegen viele Luxemburger diesen Beruf nach wie vor für ein Hobby halten. Denn auch in Luxemburg käme niemand auf die Idee, zum Bäcker zu gehen, 20 Brötchen zu verlangen und dann zu sagen, man könne diese nicht bezahlen, aber man würde Werbung für den Bäcker machen und überall erzählen, wie lecker seine Brötchen sind. Dass man aber genau das bei Autoren versucht, zeigt wie wenig das Schreiben als Beruf akzeptiert ist.


Haben Sie den Eindruck, dass „der Leser“ im Ausland – beschränken wir uns in diesem Fall einmal auf das deutschsprachige, das Ihnen ja beruflich vertrauter ist – ein anderer ist als in Luxemburg? Wie begegnen Ihnen Ihre Leser – wenn sie Ihnen denn begegnen? 


Ich glaube, es gibt hüben wie drüben solche und solche Leser, da unterscheidet sich das Ausland nicht von Luxemburg. Es gibt die, die die Ästhetik von Literatur zu schätzen wissen, Zusammenhänge innerhalb literarischer Traditionen erkennen, das Wie des Erzählens genießen und es gibt die, die einfach eine Geschichte wollen und die den Unterschied im sprachlichen Ausdruck nicht bemerken. Beide fühlen sich von unterschiedlichen Dingen unterhalten und beide bereden auch dementsprechend die Bücher mit dem Autor. Meinen erwachsenen Lesern begegne ich nach Lesungen, Schülern hingegen in Form von e-mails, da meine Geschichte „Die Bahnfahrt“ im Deutsch-Lesebuch für die 8. Klasse in Deutschland zu finden ist und oft behandelt wird.


Sie haben zunächst in Luxemburg publiziert, hier vor allem bei den Editions Phi, und dann den Sprung zum renommierten Suhrkamp Verlag geschafft. Zuletzt erschien Ihr Roman „Neubrasilien“ bei Eichborn. Könnten Sie sich vorstellen, auch einmal wieder etwas bei einem Luxemburger Verlag zu publizieren? Wie nehmen Sie mit der gewissen Distanz, die sie zur luxemburgischen Verlagsszene haben, deren Situation und Entwicklung wahr?


Klar, kann ich mir vorstellen, auch wieder etwas in Luxemburg zu publizieren. 2010 kam mein Gedichtband „Libellenterz“ bei Phi raus. 2011 lief am Grand Théâtre mein Stück „Das Leben hält bis zuletzt Überraschungen bereit“. Da Deutschland aber den weitaus größeren Markt hat, würde ich Romane, Erzählungen eher in Deutschland veröffentlichen. Luxemburger Verlage werden nie die Vorschüsse der deutschen Verlage zahlen können und da Bücher, die in Luxemburg erscheinen, nicht im deutschen Feuilleton, oder höchst selten, besprochen werden, bleiben auch die Verkaufszahlen überschaubar.

Für mich ist die Entwicklung in der Verlagsszene in Luxemburg eine wackelige Angelegenheit. Ich sehe es einerseits als sehr positiv an, dass beispielsweise der Binsfeld Verlag neue Literaturreihen mit schön aussehenden Büchern auf die Beine gestellt hat, es ist auch wunderbar, dass es den ultimomondo Verlag gibt, aber, wie ich gehört habe, nicht mehr lange. Und damit verliert Luxemburg einen Verlag, der interessante Bücher publiziert hat und gleichzeitig nach außen eine Corporate Identity hatte, die ich für wichtig halte. Man muss den guten Literaturverlag am Aussehen des Buches erkennen. Es mag schön sein, dass in Luxemburg verschiedene Verlage nebenher auch Literatur veröffentlichen, aber in so einem Sammelsurium geht ein Roman schnell verloren. Vor allem wenn der Autor sich ins Ausland vermarkten möchte. Stellen sie sich einen deutschen Leser vor, der sich übers Internet über die Luxemburger Verlage informieren möchte. Da findet er dann Kochbücher und Heimat-Bildbände und anderes, was durchaus seine Berechtigung hat. Aber meinen Sie im Ernst, er erwartet beim nächsten Klick den Luxemburger Grass doch noch zu entdecken? Nächster Kritikpunkt: Die wenigsten Verlage in Luxemburg haben ein ordentliches Lektorat und das merkt man etlichen Büchern an. Die Rechnung: Wir veröffentlichen alles, irgendjemand wird es schon kaufen, mag kurzfristig aufgehen, ein professioneller Literaturverlag aber sieht anders aus. Und diese Professionalität erhoffe ich mir von ein, zwei Verlagen für die Zukunft. Ansonsten wird die Luxemburger Literatur im Ausland weiterhin einen schweren Stand haben, zumal der Vertrieb ins Ausland nach wie vor problematisch ist.


2004 haben Sie in Klagenfurt beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb den 3sat-Preis gewonnen. Hat diese renommierte Auszeichnung Ihre Karriere stark befördert? Und hatten Sie bei nationalen Auszeichnungen (Prix Servais 2002 und Prix du mérite culturel der Stadt Esch/Alzette 2006) den Eindruck, dass diese Ihnen einen breitere Öffentlichkeit bzw. eine größere Leserschaft beschert haben?


Ohne die Teilnahme an diesem Wettbewerb wäre mein Buch niemals bei Suhrkamp erschienen und ich wäre auf dem deutschen Markt nicht präsent. Ein gutes Buch zu schreiben, ist eine Sache, reicht aber nicht. Man muss dafür sorgen, dass dieses Buch auch eine Vermarktung findet. Das hat mit Klinken putzen nichts zu tun, sondern damit, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Ich kann nur jedem empfehlen, nach Klagenfurt zu gehen. Zu verlieren hat man da gar nichts, zu gewinnen alles.

Preise sind deshalb wichtig, weil sie Öffentlichkeit schaffen, gesetzt die Verleiher sorgen für diesen öffentlichen Raum. Beim Prix du mérite culturel hatte ich das Gefühl, diese Vergabe findet unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Ich habe mich über den Preis gefreut, weil er von meiner Heimatstadt kam, aber ich war entsetzt darüber, wie wenig meine Heimatstadt diesen Preis zu feiern wusste. Bei einer Preisvergabe feiert sich der Geber doch auch selbst, das ist doch logisch. Hat Esch noch einen anderen Kultur-Preis zu vergeben? Da müssen die Verantwortlichen dafür sorgen, dass die Medien voll von dieser Feier sind. Genauso läuft das in Klagenfurt. Der Servais-Preis ist, was die Öffentlichkeit anbelangt, schon eine andere Institution. Kann gut sein, dass letzterer mir Leser verschafft hat, beim Prix du mérite bezweifele ich das. Vielleicht macht man die Verleihung in Zukunft ja etwas öffentlicher.


Sie werden gerne als Beispiel dafür herangezogen, dass luxemburgische Autoren im deutschsprachigen Ausland als Abiturstoff gelesen werden, in Luxemburg selbst hingegen finden sich wenige bis gar keine Luxemburger Autoren auf dem Lehrplan. Warum glauben oder vermuten Sie, ist das so?


Ob Pelargonien noch immer Abi-Stoff in Niedersachsen ist, weiß ich nicht, jedenfalls hat mich schon länger keine e-mail diesbezüglich erreicht. Die kommen nun zuweilen von den Achtklässern, die „Die Bahnfahrt lesen müssen.

Dass in Luxemburg die eigenen Autoren nicht in der Schule behandelt werden, hat einige Gründe. Erstens ist es noch nicht lange her, dass Autoren in Luxemburg überhaupt gesellschaftlich wahrgenommen werden. Folglich wird es auch noch dauern, bis man im Deutsch- oder Französischunterricht einen Prosatext eines Luxemburger Autors zur Pflichtlektüre macht. Zweitens müssten die Gymnasiallehrer die Luxemburger Literatur kennen, sie gelesen haben. Das ist bei den meisten nicht der Fall. Zudem gibt es, bedingt durch diese Unkenntnis, einen Grad der Abschätzigkeit den eigenen Autoren gegenüber, der merkwürdig ist. So als müsse alles was in Luxemburg an Kultur produziert wird, minderwertig sein. Ein eigenartiger Komplex, der sich zuweilen in dummer Verachtung äußert. Und dann gab es ja auch noch das lustige Argument einiger Lehrer, es gäbe zur Luxemburger Literatur keine Sekundärliteratur, deshalb könne man sie nicht behandeln. Da würde ich dann gerne antworten, wozu hat man ein eigenes Gehirn.


Eine letzte Frage: Sie leben in Köln. In der nächsten Saison steigt der FC wieder in die 1. Liga auf. Liebt und leidet ein Exil-Luxemburger mit dem Fußballclub seiner Wahlheimat mit – vorausgesetzt natürlich, er interessiert sich überhaupt dafür?


 Was für eine Frage!!! Ich habe bis weit nach Mitternacht den Aufstieg auf den Kölner Ringen gefeiert. Ich besitze natürlich FC-Schals, der Anhänger meines Autoschlüssels ist ein Miniatur-FC-Trikot, ich bin Mitglied dieses Vereins, kann die FC-Hymne auch noch nach durchzechter Nacht auswendig singen und wenn ich mit meiner Familie in der Südkurve fiebere, dann bin ich nach 90 Minuten heiser wie ein Braunb är auf Honigsuche. Allerdings besuche ich zuweilen auch die Spiele von Jeunesse Esch, wenn ich im Ländchen bin. Da benehme ich mich aber immer.

Die Fragen an Guy und Nico Helminger stellte Susanne Jaspers